Hoffnungsbotschaften in Zeiten der Corona-Krise

Wochen zwischen Alarmstimmung und Beschwichtigung liegen hinter uns. In den letzten Tagen wurde es klarer: Es ist ernst. Und da hat Manches, was unsern Alltag bisher bestimmt hat, plötzlich an Bedeutung verloren. Das Leben ordnet sich anders – und neu.

 

Das irre Tempo, das wir gewohnt sind – das hat sich jetzt für die meisten von uns entschleunigt: Termine sind abgesagt, Versammlungen verboten, die Krisenstäbe tagen allerorten – am besten per Videokonferenz.

 

Wir haben Zeit, nicht nur zum Vorräte anlegen, sondern auch zum Nachdenken.

Wie in biblischen Zeiten schon: an den Wassern zu Babylon saßen sie und weinten. Vergossen Tränen über das Schicksal, das sie ereilt hatte. Stellten Fragen:

  • Wie konnte es nur so weit kommen, dass wir in diese Schwierigkeiten geraten sind?
  • dass wir die Kontrolle über unser Leben verloren haben?
  • dass wir fremder Willkür ausgeliefert sind?

Und sie versuchten sich in Erklärungen, Schuldzuweisungen, ersten Einsichten.

Dabei wurde das Bild langsam klarer. Und die Antworten auf die gestellten Fragen waren alles andere als bequem und angenehm:

  • Wir sind maßlos gewesen in unserem Anspruchsdenken.
  • Wir haben unsere Möglichkeiten hoffnungslos überschätzt. 
  • Wir haben aus dem Blick verloren, wovon wir wirklich leben.
  • Wir haben getan, als ginge es nur um uns.
  • Nicht Gott hat uns, sondern wir haben Gott vergessen.

Und natürlich hat man auch damals schon, an den Wassern von Babylon, nach Trost und Hoffnungszeichen gesucht.

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66,13)

Dieses Prophetenwort, das dem heutigen Predigttext entnommen ist, wird so ein Hoffnungszeichen gewesen sein: Es ist noch nicht aller Tage Abend. Gott hat uns nicht vergessen. Er ist da. Er ist nah.

 

Am Ende sind sie zurückgekehrt ins gelobte Land. Nach Hause gekommen in das Leben, das man nur noch aus der Erinnerung kannte. Und sie haben den Neuanfang gewagt in dem Bewusstsein: wir haben unsere Lektion gelernt.

 

Ich glaube, das war und ist die richtige Reihenfolge:

Die Ruhe nutzen zum Nachdenken.

Raum geben für kritische Fragen an unseren Lebensstil:

  • welche Ansprüche stellen wir?
  • wie organisieren wir unseren Wohlstand?
  • Wie, warum und wohin reisen wir?
  • Welche Abhängigkeiten nehmen wir dafür in kauf?
  • Was kostet es uns und was kostet es andere?

Und dann aufmerksam und empfänglich werden für neue Einsichten: was lehrt uns die Krise, die wir erleben und erleiden?

  • Jeder trägt Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. 
  • Weniger ist manchmal mehr.
  • Das Leben ist zerbrechlich, begrenzt, ein kostbares Gut.

Und beim Lernen dieser Lektionen halten wir schon Ausschau nach Hoffnungszeichen; und spitzen die Ohren für Worte des Trostes:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Gott hat uns nicht vergessen. Er ist da. Er ist nah.

 

Ich wünsche Ihnen wie mir selbst, dass dieses biblische Trostwort zusammen mit den Hoffnungsworten, die wir ab jetzt an dieser Stelle täglich lesen werden, Proviant sein kann auf dem Weg zurück. Kräftigung und Ermutigung auf dem Weg zurück in das Leben, in dem wir vor der Krise zuhause waren. Und das sich verändern wird, weil wir bewusster, gelassener und bescheidener geworden sind.

 

Kommen Sie behütet durch diese kritischen Wochen,

Ihr Frieder Brack

22.03.2020

21.03.2020