Interreligiöser Gottesdienst in Witzenhausen

Interreligiöser Gottesdienst in Witzenhausen

Interreligiöser Gottesdienst in Witzenhausen

Sonntag, 11. Oktober 2026, 11:00 Uhr
Liebfrauenkirche, Am Kirchplatz 2, 37213 Witzenhausen
Jonas Buja, Lars Zimmermann
© Buja

Witzenhausen. Menschen, die auf der Flucht gestorben sind, haben Namen, Geschichten und Angehörige. An sie erinnert ein interreligiöser Trauergottesdienst am Sonntag, 11. Oktober 2026, um 11 Uhr in der Liebfrauenkirche Witzenhausen.

Seit 1993 wurden in der United List of Refugee Deaths mehr als 70.000 Menschen dokumentiert, die im Zusammenhang mit Flucht und Migration ums Leben gekommen sind. Hinzu kommen unzählige Menschen, deren Tod oder Verbleib unbekannt geblieben ist. Der Gottesdienst möchte diesen Verstorbenen einen Raum geben: zum Gedenken, zur Trauer und zur Erinnerung an ihre Würde.

„Sie sind nicht einfach so gestorben“, heißt es in den Gedanken, die den Gottesdienst begleiten. Von den Bedingungen, die Menschen zur Flucht zwingen, bis zu ihrem letzten Atemzug stellt sich die Frage nach menschlicher Verantwortung. Die Veranstalter möchten die Verstorbenen nicht als anonyme Zahlen betrachten, sondern als Menschen, deren Leben und Tod nicht vergessen werden sollen.

Gestaltet wird der Gottesdienst mit Lyrik, Musik, Bildern und interreligiösen Elementen. Neben Pfarrer Jonas Buja, der selbst als Kapitän in der zivilen Seenotrettung aktiv war, wird auch Dr. Hamida Behr mitwirken. Sie ist Friedenspädagogin und Islamwissenschaftlerin an der Universität Münster. Ein islamisches Totengebet auf Arabisch sowie christliche Gebete und Lieder verbinden unterschiedliche religiöse Traditionen miteinander.

Die künstlerische Perspektive kommt von Johannes Abdur-Rahman Behr. Der Musiker ist seit einigen Jahren auch als Kapitän und Einsatzleiter in der zivilen Seenotrettung aktiv. Er trägt seinen Text „Mare Medi Terra“ vor. Darin wird das Mittelmeer zum Bild für Verlust, Angst und Hoffnung. Zugleich richtet sich der Text auf die Würde jedes einzelnen Menschen:

„ein Boot voller Augen – und die Gesunkenen?
ein Meer voller Augen
wo nichts ist außer Wellen und Horizont
schaut mich das reine Leben an, nackt,
elendig bedroht
zeigt es seine ganze Würde.“

Die lyrischen Texte begleitet Johannes Abdur-Rahman Behr mit der Klarinette. Auch die Oud, die arabische Laute, wird erklingen – meisterhaft gespielt von Kasem Eissa.

Ein weiteres wichtiges Element des Gottesdienstes ist das Verlesen von Namen Verstorbener und das Entzünden von Kerzen. Hier wirkt auch Samah Al Jundi-Pfaff mit. Die Pädagogin ist seit Langem engagierte Unterstützerin und Ansprechpartnerin für geflüchtete Menschen.

Der Gottesdienst versteht sich als Einladung, innezuhalten und der Menschen zu gedenken, deren Flucht am Meer, an Grenzen oder auf anderen gefährlichen Wegen endete. Inmitten von Musik, Worten, Gebeten und Stille soll Raum für Trauer entstehen – und für die Erinnerung daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht.

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